Der digitale Blick; Elisabeth Brockmann

Aus Publicartwiki
Version vom 7. Dezember 2010, 11:35 Uhr von TG (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Fotodokumentation

Ort

München, Bayerisches Staatsschauspiel, Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, 80539 München

in Google Maps anzeigen lassen

Künstlerin, Künstler

Elisabeth Brockmann

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Doppelseitige Projektion (Auf- und Rückprojektion) von 7 digital gesplitteten Einzeldias, nahtlos zusammengefügt mit 7 Grossbildprojektoren

Maße

ca. 5 x 23 Meter

Kurzbeschreibung

Augen aus dem Gesicht einer Schaufensterfigur blicken aus der Fassade des Bayerischen Staatsschauspiels über den Max-Joseph-Platz und scheinen den Passanten zu folgen. Wenn man das Theater betritt, kehrt sich der Blick um und fällt von außen nach innen.

Zeitangabe

Temporäre Installation, Januar/Februar 2000

Inhaltliche Beschreibung

Der "digitale Blick" täuscht uns Realität vor

Eine Lichtprojektion vor Münchens Residenztheater als kulturelle Herausforderung zum Nachdenken

München - Seit über einer Woche blicken zwei große Augen von der Fensterfassade des Bayerischen Staatsschauspiels in München. Erschaffen wurde die Lichtprojektion von der 45-jährigen Künstlerin Elisabeth Brockmann, die ihr Werk "Der digitale Blick" nennt. Was wollen diese großen Augen ausdrücken, was sollen sie uns vermitteln? Das fragen sich Besucher des Residenztheaters, der Oper oder abendliche Passanten des Max-Joseph-Platzes? Wollen sie uns überhaupt etwas sagen?

Brockmann selbst ist der Meinung, dass die Augen uns durchaus etwas sagen sollen, und erklärt dazu: "Augen aus künstlichen Menschenköpfen, digital zum täuschend echten Imitat verwandelt, blicken als 23 Meter lange Projektion aus der Front des Residenztheaters auf den Münchener Max-Joseph-Platz. Durch eine besondere Technik wird dieselbe Projektion dem Theaterbesucher ins Gebäude folgen. Wenn er das Theater betritt, kehrt sich der Blick um und begegnet ihm dort genauso wie auf dem Platz vor dem Theater. Das Abbild des menschlichen Blicks wird zum scheinbar beweglichen Schatten."

Die Künstlerin vergleicht dann die ständige Verwechslung von realer und virtueller Welt mit dem Höhlengleichnis des griechischen Philosophen Plato. Dort sitzen die Menschen gefesselt mit dem Rücken zum Ausgang in die sonnige Welt und sehen nur die Schatten der Figuren außerhalb der Höhle. Diese Schattenprojektion an der Höhlenwand halten sie dann für die eigentliche Wirklichkeit.

"Wenn wir in ein abgebildetes Gesicht schauen, aus dem ein Blick geradewegs auf uns gerichtet ist, dann halten wir es unwillkürlich für lebendig", sagt Elisabeth Brockmann über die virtuellen Augen ihrer Lichtprojektion: "Auch wenn wir wissen, dass Fotos lügen, gehen wir immer zunächst davon aus, dass das, was sie zeigen, real existiert." Noch wenn wir ein Gesicht als lebensechte Nachbildung erkennen könnten und wüssten, dass die digitale Bearbeitung auch den totesten Stein zum Leben erweckt, meint sie, ließen wir uns gerne täuschen.

Brockmann: "Die Digitalisierung der Welt entfremdet uns der Realität. Sagt man. Wir seien nicht mehr fest in der Wirklichkeit verankert, verwechselten das echte' Leben mit dem virtuellen. Das Gegenteil ist wahr."

Quelle: DIE WELT, 14.02.2000

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Auftraggeber: Bayerisches Staatsschauspiel, München

Kooperationen

Götschmann Projektoren, München

Diskussion

Hier wird die Diskussion zu diesem Titel angezeigt. Wenn Sie sich beteiligen möchten, können Sie oben auf den Reiter Diskussion klicken und Ihre Beiträge auf der Diskussionsseite eingeben. Vielen Dank!

Diskussion:Der digitale Blick; Elisabeth Brockmann