Chaosmos; Roberto Matta: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Werktechnik, Material'''
 
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Bronzeguss, Skulptur
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Skulptur, Bronzeguss auf Basaltlavasockel
  
 
'''Maße'''
 
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430 cm x 160 cm
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180 x 92 x 38 cm, Sockel 80 x 60 x 40 cm
  
 
'''Kurzbeschreibung'''
 
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Bronzehohlguss, übereinandergeschichtete Kreisvolumina unterschiedlicher Größe, die sich um eine labile Mittelachse wirbelartig in die Höhe schrauben.
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Aufrecht stehender Bronze-Hohlkörper mit mundartiger Öffnung und vergoldeten kugelförmigen Applikationen, die über den amorphen Körper verteilt sind. Die Skulptur steht auf einem 80 cm hohen Steinsockel.
 
== Zeitangabe ==
 
== Zeitangabe ==
Fertigstellung 1996
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Entwicklung 1970, Gussexemplar 3/8, 2001
 
== Inhaltliche Beschreibung ==
 
== Inhaltliche Beschreibung ==
Ihre monumentale Größe, die schwarze Patina und die ungewöhnliche Formensprache lassen den Kunstkörper in seiner Selbständigkeit im Zwischenraum von Park und Architektur phänomenal aufgehen. Umschreitet man die „Wirbelsäule“, so ist man überascht vom jähen Wechsel der Formationen und von der sprunghaften Änderung des Erscheinungsbildes. „Wirbelsäule“ wirkt einerseits als zusammenhängender an- und abschwellender Körper – andererseits als in Segmenten auseinandergezerrtes vielteiliges Gewächs, dessen innere Rhythmik von Kontraktionen emotional geschnürt ist. Tatsächlich ist „Wirbelsäule“ trotz der relativen Einfachheit ihrer Bauart – Mittelachse mit übereinanderliegenden exakten Kreisvolumina unterschiedlicher Größe – auf Grund der Schwankungen eben der Mittelachse und der daraus folgenden Volumina-Verschiebungen zu einem wirklich emonional besetzten Ding geworden.Anthony Cragg hat ein uraltes Prinzip plastischen Bildens, den um eine freistehende Mittelachse in einer Kreisbewegung aufgebauten Körper, in emotionaler, aber auch in kalkulierter Vorgehensweise aufgegriffen und in ein neues Bild gebracht, grundlos schön, ein Ereignis aus sich selbst.  
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Chaosmos tritt uns als eigentümlich zoomorph erscheinendes Gebilde von polypenhafter Körperlichkeit entgegen, dessen offensichtliche Hohlheit mit seiner abwechslungsreichen Oberflächengestalt deutlich kontrastiert.
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Tatsächlich scheint dieser Körper nur aus Wandung zu Bestehen, die weich und wechselhaft quellend, geöffnet und durchkreuzt eindrücklich lebt. Ohne Stehvermögen folgt sie - nur flüchtig festgemacht - einer großen allgemein fließenden Bewegung. Auf der wechselhaft an- und abschwellenden Oberfläche sitzen, wie zufällig verstreut, kleine, an den vorspringenden Formteilen goldglänzend schimmernde, kugelförmige "Parasiten" und schauen uns als roßgesichtige Wesen an. Sie sind viel konkreter in Form und Blick als das große Gebilde selbst und wirken ornamental vereinfacht und funktionalisiert, in Gestalt und Ausdruck wie kleine Blutegel etwa auf der großen Fläche eines muskulösen Männerrückens.
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Tatsächlich zeigt das Polypenwesen anthropomorphe Züge, ein übergroßes Gesicht mit riesig breitem Maul über einem winzigen Oberkörper und noch kleineren verkümmerten Beinen. Eben das, was unsere Körperlichkeit kennzeichnet, Selbständigkeit, symmetrische Bildung, Konstruktivität und Proportion, fehlen dieser Plastik ganz. Scheinbar zufällig, wenn auch sehr eindrücklich, wird über den großen, ausgeprägten "Gesichtsausdruck" der anthropomorphe Zug vorgebracht.
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An olmekische Greisenkinder der vorkolumbianisch-mittelamerikanischen Kultur erinnert diese plastische Kombination unterschiedlicher Leiberscheinungen. Das greisenhafte Baby oder der babygesichtige Greis überspringen die Zeitabläufe im einfachen Sinne und werfen den Gedanken an eine Gleichzeitigkeit des Vergehens und Werdens auf. Als Gestaltung im transitiven Sinne sollte man diese Plastik auffassen. Das generative Moment liegt nicht nur im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Körper, sondern im Körperlichen selbst als einem von unterschiedlichen Momenten durchdrungenem werdenden Bild, das wesentlich Vorgang und Erscheinung ist.
  
zit. aus: Joachim Peter Kastner, Anthony Cragg in Matta - Chaosmos in der Skulpturensammlung Viersen, Hrsg. Verein für Heimatpflege e.V. Viersen 2002
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zit. aus: Joachim Peter Kastner, Matta - Chaosmos in der Skulpturensammlung Viersen, Hrsg. Verein für Heimatpflege e.V. Viersen 2002
 
== Organisatorischer Rahmen, Eigentümer ==
 
== Organisatorischer Rahmen, Eigentümer ==
 
Stadt Viersen, Skulpturensammlung des Verein für Heimatpflege e.V. Viersen von der Kaiser´s Tengelmann A.G.
 
Stadt Viersen, Skulpturensammlung des Verein für Heimatpflege e.V. Viersen von der Kaiser´s Tengelmann A.G.
 
== Kooperationen ==
 
== Kooperationen ==
Herstellung: H. Schmäke, Kunstgießerei Düsseldorf
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Hersteller: Fonderia Bonvicini, Caselle di Sommacampagna, Italien
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Sockel Herstellung und Aufstellung: Adorf, Natursteinwerk Kottenheim
  
 
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[[Category:Arbeiten]][[Category:Städte und Regionen|Viersen]]
 
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Version vom 24. Dezember 2006, 00:12 Uhr

Fotodokumentation

Ort

Viersen, Park der Städtischen Galerie, Rathauspark 1

Künstlerin, Künstler

Roberto Matta

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Skulptur, Bronzeguss auf Basaltlavasockel

Maße

180 x 92 x 38 cm, Sockel 80 x 60 x 40 cm

Kurzbeschreibung

Aufrecht stehender Bronze-Hohlkörper mit mundartiger Öffnung und vergoldeten kugelförmigen Applikationen, die über den amorphen Körper verteilt sind. Die Skulptur steht auf einem 80 cm hohen Steinsockel.

Zeitangabe

Entwicklung 1970, Gussexemplar 3/8, 2001

Inhaltliche Beschreibung

Chaosmos tritt uns als eigentümlich zoomorph erscheinendes Gebilde von polypenhafter Körperlichkeit entgegen, dessen offensichtliche Hohlheit mit seiner abwechslungsreichen Oberflächengestalt deutlich kontrastiert. Tatsächlich scheint dieser Körper nur aus Wandung zu Bestehen, die weich und wechselhaft quellend, geöffnet und durchkreuzt eindrücklich lebt. Ohne Stehvermögen folgt sie - nur flüchtig festgemacht - einer großen allgemein fließenden Bewegung. Auf der wechselhaft an- und abschwellenden Oberfläche sitzen, wie zufällig verstreut, kleine, an den vorspringenden Formteilen goldglänzend schimmernde, kugelförmige "Parasiten" und schauen uns als roßgesichtige Wesen an. Sie sind viel konkreter in Form und Blick als das große Gebilde selbst und wirken ornamental vereinfacht und funktionalisiert, in Gestalt und Ausdruck wie kleine Blutegel etwa auf der großen Fläche eines muskulösen Männerrückens. Tatsächlich zeigt das Polypenwesen anthropomorphe Züge, ein übergroßes Gesicht mit riesig breitem Maul über einem winzigen Oberkörper und noch kleineren verkümmerten Beinen. Eben das, was unsere Körperlichkeit kennzeichnet, Selbständigkeit, symmetrische Bildung, Konstruktivität und Proportion, fehlen dieser Plastik ganz. Scheinbar zufällig, wenn auch sehr eindrücklich, wird über den großen, ausgeprägten "Gesichtsausdruck" der anthropomorphe Zug vorgebracht. An olmekische Greisenkinder der vorkolumbianisch-mittelamerikanischen Kultur erinnert diese plastische Kombination unterschiedlicher Leiberscheinungen. Das greisenhafte Baby oder der babygesichtige Greis überspringen die Zeitabläufe im einfachen Sinne und werfen den Gedanken an eine Gleichzeitigkeit des Vergehens und Werdens auf. Als Gestaltung im transitiven Sinne sollte man diese Plastik auffassen. Das generative Moment liegt nicht nur im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Körper, sondern im Körperlichen selbst als einem von unterschiedlichen Momenten durchdrungenem werdenden Bild, das wesentlich Vorgang und Erscheinung ist.

zit. aus: Joachim Peter Kastner, Matta - Chaosmos in der Skulpturensammlung Viersen, Hrsg. Verein für Heimatpflege e.V. Viersen 2002

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Stadt Viersen, Skulpturensammlung des Verein für Heimatpflege e.V. Viersen von der Kaiser´s Tengelmann A.G.

Kooperationen

Hersteller: Fonderia Bonvicini, Caselle di Sommacampagna, Italien Sockel Herstellung und Aufstellung: Adorf, Natursteinwerk Kottenheim