Versunkenes Dorf; Timm Ulrichs

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Fotodokumentation

Ort

München-Fröttmaning, Kurt-Landauer-Weg 8, 80939 München

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Künstlerin, Künstler

Timm Ulrichs

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Architekturskulptur, Beton, Silikat- und Dispersionsfarbe

Maße

Grundfläche 12,20m x 9,00m, 18,40m hoch

Kurzbeschreibung

Etwa 150 Meter südlich der Heilig Kreuz Kirche des ehemaligen Dorfes Fröttmaning wurde ein nicht begehbarer Doppelgänger der romanischen Kirche in Originalgröße aus bemalten Betonfertigteilen geschaffen. Die Kopie wurde am Fuße des Fröttmaninger Berges platziert, sodass das Bauwerk vom Berg halb verschüttet zu sein scheint.

Zeitangabe

Entwicklung 2004, Realisierung 2006

Inhaltliche Beschreibung

Die Katholische Filialkirche Heilig Kreuz ist der älteste erhaltene Kirchenbau im Stadtgebiet München, ein romanischer Bau aus dem 12. Jahrhundert und das letzte Zeugnis des Dorfes Fröttmaning, das heute de facto eine Wüstung ist. Der Ort musste in den 50er Jahren einer Mülldeponie weichen, allein die Heilig-Kreuz-Kirche wurde durch das Engagement von Bürgern verschont. Das einzig gerettete Gebäude des Dorfes wurde nun dupliziert und vis-à-vis von Autobahn und Herzog/de Meurons Arena, knapp 150 Meter vom Original entfernt im Berg eingegraben.

„Timm Ulrichs´ Kunstwerk „Versunkenes Dorf“ operiert mit dem Motiv des Doppelgängers. Mit ihm gelingt es dem Künstler in hervorragender Weise, auf die Spezifik des Ortes seiner Aufstellung zu verweisen. Im Maßstab 1:1 entstand ein augentäuschendes Duplikat der benachbarten Heilig-Kreuz-Kirche, einer kleinen Dorfkirche aus dem Mittelalter. Der Zwilling erleidet, was auch dem Original hätte geschehen können: Er ist zu großen Teilen von dem inzwischen begrünten Müllberg verschüttet.

Das Werk von Timm Ulrichs reflektiert einfühlsam die Geschichte der baulichen Veränderungen im Münchner Norden. Diese setzten Mitte des letzten Jahrhunderts ein. Lange bevor hier die weltbekannte Allianz-Arena der Architekten Herzog & de Meuron zur Touristenattraktion wurde, ist gleich daneben - an der Stelle des alten Dorfes Fröttmaning (erstmalige Erwähnung im Jahre 815) - in den fünfziger Jahren eine Mülldeponie errichtet worden. Dem Projekt fiel damals das Dorf mit seinen Bauernhöfen zum Opfer. Sie wurden abgerissen. Allein die Kirche konnte gerettet werden. Bei ihrer Renovierung im Jahre 1980 entdeckte man wertvolle Wandmalereien aus der Entstehungszeit.

Mit seiner Architekturskulptur „Versunkenes Dorf“ - der Titel zitiert das gleichnamige Gedicht von Friedrich Rückert aus dem Jahre 1813 - inszeniert Timm Ulrichs ein Untergangspanorama. Der Künstler sieht sein Werk als Verlustanzeige und surreal-melancholisches Stimmungsbild. Mit dem untergehenden Doppelgänger hat er aber auch ein großartiges Menetekel von eindringlicher Präsenz geschaffen, das ebenso spielerisch wie poetisch die Kosten des Fortschritts beschwört.“

Quelle: Michael Stoeber, Publikation (Faltkarte) „Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum“ QUIVID, Baureferat der Landeshauptstadt München

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Künstlerischer Wettbewerb mit elf geladenen Teilnehmern anlässlich der Baumaßnahmen Erschließung der Allianz-Arena in Fröttmaning, durchgeführt von der Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum München. In dem im Juni 2004 durchgeführten Verfahren empfahl die Jury einstimmig den Entwurf von Timm Ulrichs zur Realisierung.

2009 erhielt Timm Ulrichs den zum siebten Male vergebenen und mit 50.000 Euro dotierten „mfi Preis Kunst am Bau“ für die Arbeit „Versunkenes Dorf“.

Kooperationen

Architekt: Maier Neuberger Projekte GmbH

Diskussion

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