Pietà; Fritz Behn

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Fotodokumentation

Ort

Viersen, Alter Stadtgarten, Freiheitsstraße / Bahnhofstraße, 41747 Viersen

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Künstlerin, Künstler

Fritz Behn

Technische Angaben

Werktechnik, Material

Muschelkalk

Maße


Kurzbeschreibung

Den Betrachter muß die dem Denkmal innewohnende Symbolkraft bewegen. Die in Schmerz erstarrte Mutter, die ihren gefallenen Sohn auf den Knien hält, ihre Hände symbolisieren eine Opferhaltung, mit der sie sich in stummer Klage gegen ihr Schicksal wendet. Der unbekleidete Krieger, dessen Schwert im Kampf zerbrach, zeugt von seiner am Krieg zerbrochenen Lebenskraft.

Zeitangabe

Grundsteinlegung am 9.5.1926, Enthüllung am 8.8.1926

Inhaltliche Beschreibung

Auf einem zweistufigen Unterbau aus Muschelkalk erhebt sich ein mehrfach abgetreppter Sockel desselben Materials. Dieser Sockel trägt die Figurengruppe, die ebenfalls aus Muschelkalk hergestellt ist. In überlebensgroßer Ausführung, etwa 4,00 m hoch, ist eine trauernde Mutter, die einen toten Soldaten, ihren Sohn, auf dem Schoß hält, dargestellt. Die Frau trägt ein langes Gewand. Ihr Kopf wird von einem Schleier bedeckt, der aus einem feinkörnigen Muschelkalk verlängert wird und den ursprünglichen nackten Soldaten bedeckt. Entgegen der ursprünglichen Gestaltung wurde nach Protesten aus der Bürgerschaft der nackte Sohn mit einem Lendenschurz versehen. Der Sohn liegt zurückgebogen, Kopf und Arme fallen nach hinten, auf dem Schoß der Mutter. Seine rechte Hand umklammert ein zerbrochenes Schwert. Die Figurengruppe, der traditionellen Pietà-Darstellung nachempfunden, ist streng frontal ausgerichtet. Die strenge Linienführung wird durch nur sparsam angewandte Gewandfalten und die nur grob angedeuteten Gesichtszüge unterstrichen. Auf der Vorderseite des Sockels stehen lediglich zwei Worte: FÜRS VATERLAND. Auf der Rückseite befinden sich die Jahreszahlen 1914 - 1918 Ferner sind die beiden zum Denkmal gehörenden Sitzbänke anzuführen, die rechts und links davorgeordnet sind. Eine Sitzplatte wird von jeweils drei niedrigen, geschwungenen Stützen getragen. Auch diese Bauelemente sind aus Muschelkalk hergestellt. Das Kriegerdenkmal ist in dieser Ausführung ein typisches Beispiel seiner Zeit, in der Ehrenmale als Sinnbilder für Opfermut und Heldentum sowie als Appell, alles "für das Vaterland" zu geben, verstanden werden. Nach der französischen Revolution und den Befreiungskriegen wurde der Krieg durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht demokratisiert und die soziale Stellung der Soldaten deutlich gesteigert. Ein Kriegerdenkmal soll die Angehörigen trösten, dem Tod einen Sinn verleihen und die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten. Die gehaltenen Reden zur Grundsteinlegung und Enthüllung des Viersener Kriegerdenkmals spiegeln diesen Zeitgeist wider. Dennoch handelt sich um ein betont unheroisches Denkmal, das Trauer und Leid in den Mittelpunkt stellt, indem es eine toten Soldaten und eine trauernde Mutter zeigt. Damit steht das Viersener Denkmal im deutlichen Gegensatz zur schon damals nicht unüblichen und vor allem 10 Jahre später normalen Heldendarstellung wie z.B. der „Siegfried“ von Willi Meller in Dülken. Das gewählte Motiv der Pietà war eine der beliebtesten Darstellungen für Kriegerdenkmäler. Entnommen aus der christlichen Ikonographie stellt sie ein vertrautes Bild dar, erfährt aber einen neuen Kontext. Die Pietà wird verweltlich und zur Mutter-Sohn-Gruppe verändert. Insbesondere der Schmerz der trauernden Mutter um ihren geliebten Sohn wird thematisiert. Bürgerliche und christliche Wertvorstellungen finden zusammen. Es stellt den „Versuch einer moralischen Bewältigung des Krieges dar, den die Überlebenden im Denkmal geleistet zu haben glauben“. Das Kriegerdenkmal ist, bei aller Distanz aus heutiger Sicht zum Inhalt, ein qualitätsvolles Monument eines überregional bekannten Künstlers, der ein klassisches Motiv der Kunstgeschichte, die Pietà, für einen neuen Symbolgehalt abwandelte.

Ellen Westerhoff

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Stadt Viersen

Kooperationen

Gebr. Frenzen, Viersen

Diskussion

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