No agreement today, no agreement tomorrow; Andreas M. Kaufmann

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Fotodokumentation

Ort

Bergkamen, Verkehrskreisel Stadttor Rathaus in Google Maps anzeigen.

Künstlerin, Künstler

Andreas M. Kaufmann

Technische Angaben

Werktechnik, Material

permanente Lichtskulptur

Stahl und mattiertes Plexiglas, 4 Diaprojektoren

Maße

Höhe ca. 6,5m, Durchmesser ca. 10m

Kurzbeschreibung

Die Skulptur besteht aus einem Pavillon, ausgerüstet mit vier rotierenden Diaprojektoren, die mit je sechs Diapositiven bestückt sind. Die Diapositive werden vom Künstler jährlich neu bestückt.

Zeitangabe

Fertiggestellt 2002, Austausch der Dia bis 2028 geplant.

Inhaltliche Beschreibung

No agreement today, no agreement tomorrow, Kaufmanns Medienskulptur für den Kreisverkehr “greift die urbanistische Situation eines der meist frequentierten Plätze Bergkamens auf… Der Künstler nimmt die Form des Kreisels für sein Bauwerk auf und setzt der Unruhe dieses Ortes die Geschlossenheit eines runden Pavillons sowie die Dynamik seiner eigenen Bildwelt entgegen. Im ständigen Wechsel huschen Lichtbilder über das Glasrund, werden schneller, verzerren sich bis zur Unkenntlichkeit, überlagern sich oder treten in Konkurrenz zu sich ebenfalls abzeichnenden Schattenwürfen der Innenkonstruktion des Pavillons. Kreisende Projektoren, geladen mit jeweils sechs sich ständig abwechselnden Dias, sind für dieses Lichtspiel auf der Rundumprojektionsfläche verantwortlich.” (Dr. Martin Henatsch, Kurator des Projekts).

Alle diese Bilder von gestikulierenden Individuen sind der öffentlichen Sphäre entnommen, nämlich den Massenmedien. Die Meisten weisen einen Bezug auf zur Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Medien; aber es gibt auch Bilder, die anonyme Individuen zeigen. Allen Bildern gemeinsam ist, dass die dargestellten Personen aus ihrem ursprünglichen Bildkontext herausgehoben wurden und nunmehr isoliert projiziert werden. So verweisen sie im Einzelbild auf nichts Anderes als auf ihre elementares Menschsein und den Moment, in dem sie fotografiert wurden. In dem diese durch Massenmedien öffentlich gemachten Menschen isoliert auftreten, betont no agreement today, no agreement tomorrow die Unmöglichkeit ihre Interessen miteinander auszugleichen. So wird die Medienskulptur zum Bild für das Shakespearische Diktum „the world is all a stage“. Für dieses Bild heute ist bezeichnend, dass es von Massenmedien dominiert wird, die zwar viele Gelegenheiten zur Selbstdarstellung bereithalten, aber wenig Möglichkeiten für echte Kommunikation und echtes Verstehen.

Insgesamt werden 24 Diapositive projiziert werden, von denen jährlich eines ausgetauscht wird gegen eine Geste aus dem gerade vergangenen Jahr. Nach 24 Jahren sind alle Dias einmal ausgetauscht worden. So repräsentiert die Medienskulptur, die hier metaphorisch ein Stadttor markiert, zunehmend auch eine historische Zeit, nämlich die ihrer eigenen Existenz während ihrer ersten 24 Jahre…“ (Pressetext anlässlich der Übergabe der Skulptur an die Bürger von Bergkamen).

Der jährliche Diatausch, bietet den Bürgern der Stadt Bergkamen die Gelegenheit, sich mit mir über meine Skulptur, aber auch über Fragen, die diese berührt zu unterhalten. Dabei kommt es nicht darauf an, dass wir unsere unterschiedlichen Einstellungen gegen einander ausspielen, um zu einem Konsens zu kommen. Auch geht es nicht um direkte Partizipation am Kunstwerk. Vielmehr geht es um Interaktion und darum, sich kennen, sich verstehen und sich respektieren zu lernen. Dazu gehört, dass ich zumindest meine Motivationen erkläre, und meine daraus resultierenden Entscheidungen begründe. Denn der öffentliche Raum ist nicht nur Spielwiese für Künstler, Architekten und Designer, sondern zuvorderst auch Raum der den Bürgern einer Stadt gehört. Wie auch immer: diese Treffen werden nicht nur im Rathaus stattfinden. Sondern es ist geplant, das jeweils neue Dia an wechselnden Orten in Bergkamen zu übergeben. Diese Maßnahme mindert die Schwellenangst und fördert die Kommunikations-Bereitschaft. So könnte ich mir vorstellen im zweiten Jahr in den türkischen Kulturverein zu gehen, im dritten Jahr in eine Schule, im vierten Jahr in einen Taubenzüchterverein, usf. Damit lernen die interessierten Bürger nicht nur mich und ihre Skulptur besser kennen, sondern vor allem auch sich selbst und ihre Mitbürger. So fungiert das von mir kompromisslos erstellte Kunstwerk sowohl als Gegenbild zur Medienwirklichkeit, wie auch als Katalysator für Kommunikationsprozesse, die geeignet sind kommune Identität aber auch Öffentlichkeit herzustellen. Mit diesem Engagement verbinde ich die Hoffnung, dass nach 24 Jahren die physisch real existierende Medienskulptur sich, in eine „Soziale Skulptur“ gewandelt hat; vielleicht so gar soweit gehend, dass in dieser Gemeinde mit gegenwärtig 20 % Arbeitslosigkeit niemand mehr versucht sozial gegen kulturell auszuspielen…

aus: Pressetext

Organisatorischer Rahmen, Eigentümer

Stadt Bergkamen, Wettbewerb 2002 im Rahmen der Cityoffensive NRW “Ab in die Mitte“; Kulturreferat Bergkamen: Tanja Muschwitz; Kurator: Dr. Martin Henatsch, Münster

Kooperationen

Diskussion

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