Kunst im Krankenhaus

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Alles was im Krankenhaus geschieht, soll der Heilung der Patienten dienen. Hierunter fällt ebenso die Kunst, die als ästhetische Bereicherung, sich in erster Linie an die Nutzer - die Patienten - richtet. Die Platzierung von Kunstwerken im Krankenhaus, als einem nur begrenzt öffentlichen Raum findet hier ein besonders breites Publikum, da die Patienten aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen stammen.

Das Krankenhaus als kultureller Ort wird als Einrichtung innerhalb der Gesellschaft wahrgenommen.

Die Kunst verfolgt hier jedoch anspruchsvollere Funktionen als bloße Dekoration zu sein, die den Patienten den Aufenthalt in für sie ungewohnter Umgebung ein wenig erträglicher machen soll. Je nachdem in welchen Kontext die Kunst eingebettet ist, kann zwischen symbolischer Funktion, zum Beispiel durch Versinnbildlichung eines historischen Ereignisses in Form von Denkmälern, einer kontemplativen Funktion in Form von Erinnerung, Gedenken, Freude oder auch Ironie, in erkenntnisorientierter Funktion durch Veranschaulichung bestimmter Zusammenhänge oder aber Repräsentationsfunktion für das Krankenhaus unterschieden werden. Zudem schaffen Kunstwerke Atmosphäre, können mitunter Geborgenheit und Hoffnung ausstrahlen. So kann die Kunst im Krankenhaus auch sinnvoll den Heilungsprozess unterstützen. Kunst im Krankenhaus, das bedeutet also nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Besucher und die Mitarbeiter eine wohltuende Abwechslung. Die Kunst nimmt hier in einer nur eingeschränkt öffentlichen Institution einen starken Bezug zur Praxis, als Ort der Begegnung von Wissenschaft, Medizin, der Geschichte und Kunst.

Kunst am Bau tritt in einen Dialog mit der fachlichen Einrichtung, ebenso wie mit der baulichen Architektur. In den verschiedenen Fachabteilungen - von Kinderklinik bis Chirurgie - wird somit auch eine unterschiedliche künstlerische Gestaltung erkennbar.


Charité Campus Benjamin Franklin in Berlin-Steglitz:

Im Universitätsklinikum Benjamin Franklin gibt es Kunst im Krankenhaus seit 1973. Hier sind die Arbeiten „Durchdringung B35“ von Peter Jäckels, die sich auf der Grünfläche vor dem westlichen Eingangsbereich des Klinikums befindet, sowie die kinetische Plastik George Rickeys zu finden. Weitere Arbeiten sind Alexander Camaros Triptychon „LA VIE“ am Eingang Nord und Stephan Hüschs Plastik „Marmor 1991-1995“, sowie sechs Gemälde in der Westhalle des Malers Hans Jaenisch.

Die Intension war damals zunächst die ästhetische Gestaltung der medizinischen Einrichtung. Patienten und auch Mitarbeiter sollten sich hier wohl fühlen können, und darüber hinaus sollten die Patienten ein wenig am kulturellen Leben teilnehmen können. „Kunst im Krankenhaus ist eine ästhetische Bereicherung des Krankenhauses. Wenn die Medizin die Heilung nicht durch Beseitigung von krankhaften Symptomen allein, sondern auch durch Förderung der gesunden vitalen Anteile des erkrankten Menschen erreichen will, dann darf "Kunst im Krankenhaus" nicht fehlen. Es ist eine uralte Erkenntnis, daß die Berührung mit der Kunst Ströme des lebendigen Schöpfertums auch aus der Starre der tiefsten menschlichen Not hervor zu locken vermag.“ Dr. med. Antonio Spilimbergo, Krankenhaus Reinickendorf, Berlin


Charité Campus Virchow-Klinikum in Berlin Wedding:

Die künstlerische Gestaltung im Universitätsklinikum Charité Campus Virchow Klinikum entwickelte sich auf der Grundlage der Kunstkonzeption für das ehemalige Virchow-Klinikum. Hier wurden mehrere eingeladene Wettbewerbe durchgeführt: Neben dem engeren Wettbewerb „Pavillon-Spuren“ im Außenraum für den abgerissenen Hoffmannschen Pavillon, gab es eine Ausschreibung für „Zwei Höfe und Umfeld“ in der Kinderklinik, sowie Wettbewerbe für die Gestaltung der zentralen Mittelallee unter dem Namen „Freiraumstrukturen“ und einen Wettbewerb für die „Kunst im Hof“ des Westbaus. Anhand der verschiedenen Wettbewerbe und ihrer künstlerischen Umsetzung wurden die Ansprüche, die von den so unterschiedlichen Orten vorgegeben wurden ganz gegensätzlich thematisiert und in Beziehung zueinander gesetzt. Für Patienten, wie auch für die Besucher und Mitarbeiter wird hier Kunst im Kontext des Krankenhauses erfahrbar gemacht.

Bereits nach Betreten des Krankenhaus-Geländes über den Augustenburger Platz begegnet man der Arbeit „Imagination“ von Susanne Mahlmeister. Hervorgegangen aus dem Wettbewerb „Pavillon-Spuren“ wurde hier die Grundrissstruktur des historischen Pavillons in eine abstrakte Linien- und Flächenkomposition umgesetzt.

Geht man weiter Richtung Westen und begeht die, mit Kastanien bepflanzte Allee so sieht man mit etwas Glück einen Goldenen Ring in den Baumkronen. Der Künstler Norbert Radermacher war der Preisträger des Wettbewerbs Freiraumstrukturen. Er installierte in der Mittelallee das Werk „Die Ringe“. An sieben alten, ausgesuchten Bäumen ist hier jeweils ein aus vergoldetem Metall gefertigter Ring angebracht.

Gewinner des Wettbewerbs für die Kinderklinik, der die Gestaltung zweier Höfe und deren Umfeld vorsah, war Peter Sedgley. Mit seiner kinetischen Arbeit „Trapeztänzer“ verwandelte er den Südhof der Klinik in eine sich ständig veränderte Licht- und Farbwelt. Dadurch, dass das schwebende Objekt in sich mehrfach beweglich ist und vielfältige Lichteffekte durch Beleuchtung hervorgerufen werden, fügt sich die Arbeit spielerisch in den Ort, die Kinderklinik ein.

Begibt man sich noch weiter Richtung Osten, in die Klinischtheoretischen und Vorklinischen Institute, findet man die Arbeiten Raimund Kummers und Karol Broniatowski, die aus dem „Kunst im Hof“- Wettbewerb entstanden sind. Die „Glasblätter“ Kummers, die sich auf dem Boden eines Innenhofes erstrecken, stehen dabei im Gegensatz zu der in die Höhe ragende Arbeit „Stier, Kopf, Schmetterling“ Broniatowskis, die sich ebenso als einsehbarer Skulpturenraum in einem der Lichthöfe einfügt.


Vivantes Auguste-Viktoria Klinikum in Berlin Schöneberg:

Mit der Eröffnung des Skulpturengartens im Jahr 1999 gelangten zahlreiche Werke in das Auguste- Viktoria Krankenhaus. Durch zahlreiche Leihgaben von Künstlern und Berliner Galerien entstand hier ein sehr großes Skulpturen Ensemblé, bestehend aus ganz unterschiedlichen Arbeiten. Im Rahmen dieser Kunstkonzeption wurde auch die Arbeit „Zwei Figuren in großer Höhe“ von Rolf Szymanski realisiert. Zwei hohe Stelen, die vor dem alten Verwaltungsgebäude stehen, tragen jeweils eine modellierte Figur. Allein durch die Positionierung dieser abstrakten, neuen Figuren vor dem historischen Gebäude wird eine harmonische Umgebung geschaffen. Eine weitere Arbeit ist die Bronzefigur Pomona Zipsers, die sich im Garten des neuen Gebäudetraktes ansiedelt. Die Figur steht auf einem hohen Sockel inmitten einer kreisrunden Wasserfläche, innerhalb der Gartenanlage. Weitere Kunstwerke, die sich in dem Skulpturenpark des Auguste-Viktoria Klinikums befinden sind:

Paar 1998; Rüdiger Preisler / Paar 1; Rüdiger Preisler / Paar; Rüdiger Preisler / Regen Feld; Peter Lindenberg / Tutuola; John McCarty / Waage; Hartmut Stielow / MiXmAl; Erich Wiesner / Taschenpyramide; Gerald Matzner / Menschen und Gepäck; Gerald Matzner / Mädchen von Yukatan; Erich Fritz Reuter / Elefantenbaum; Emanuel Scharfenberg / Thüster Hautiliden; Günther Anlauf / Rotation; Rudi Pabel / La Sella; Richard Hess / Schreiender; Richard Hess / Vier Jahreszeiten; Joachim Schmettau / ohne Titel; Peter Tiefensee / Kugellenker; Klaus Duschat / Eisentirade; Klaus Duschat / Zwei Tafelbilder; Gerdi Sternberg / Endspiel; Gloria Pirotti

Charité Campus Mitte:

In dem ältesten Krankenhaus Berlins, der Charité finden sich neben einem reichen Bestand an denkmalgeschützten Bauten auch allgemein zugängliche Objekte im Außenraum, sowie eine Vielzahl von Objekten, Skulpturen, Gemälden, Graphiken und Fotografien. Hier fanden eine ganze Reihe eingeladener künstlerischer Wettbewerbe, aufgrund der Kunstkonzeption für die Charité von Barbara Straka und Wolfgang Rüppel statt: Anlässlich des Neubaus des Deutschen Rheumaforschungszentrums und Max Planck Institutes entstand so 2003 die Arbeit „Heilsteine“ von Karin Sander. 1999 wurde die Arbeit „Verhältnisse und Zeit - Kommunikation und Zusammenhänge“ für den Eingangsbereich der Klinik für Innere Medizin von Thomas Locher und Rolf Walz verwirklicht. Hier sind über zwei Stockwerke Texte und Linien aus transparenter Folie in verschiedenen Farben auf Türen und Wänden angebracht. Thorsten Goldberg gestaltete mit „Inventar“ den Vorplatz vor der Klinik für Innere Medizin. Hier wird an jene Mediziner erinnert, deren Denkmäler heute nicht mehr aufgestellt sind, weil sie in der NS-Zeit entfernt worden. Eine andere Arbeit, die sich mit den Gegebenheiten des Ortes der Anatomie auseinandersetzt ist die von Norbert Radermacher. „Die Vasen“ wurden 2006 in den Treppenaufgängen des historischen Gebäudes realisiert. Sie werden wöchentlich mit frischen Blumen bestückt und versinnbildlichen damit den Zyklus des Lebens.


Franziskus-Krankenhaus, akademisches Lehrkrankenhaus der Charité in Berlin-Tiergarten:

Das Franziskus-Krankenhaus stellt eine Ausnahme in der Berliner Klinik-Landschaft dar. Anders als bei den anderen Häusern, gibt es hier kein Klinikgelände oder eigenen Klinikgarten. Dafür bietet es eine Dachterrasse im achten Obergeschoss. Diese ist in zwei Seiten geteilt, auf denen sich links eine zweiteilige Arbeit Pomona Zipsers und rechts eine dreiteilige Arbeit von Georg Seiberts befindet.

DRK Kliniken in Berlin Westend:

Neben dem Werk „Lebenskraft“ aus dem Jahre 1971 von Georg Baselitz bieten die DRK-Kliniken Berlin Westend einen Skulpturengarten, in dem man Skulpturen von Dietrich Klinge und den „Schwebende Figuren“ von Jerzy Kedziora begegnet. Im Jahr 2001 wurde der Förderverein „Kunst in den DRK Kliniken Berlin-Westend“ gegründet, der es sich zum Ziel gemacht hat, Werke von bekannten wie auch unentdeckten Künstlern zu präsentieren.


Maleen Diestel, 2008



Aus der Sammlung Schaufenster